Inhalt: BEISPIEL EINER AUFFÜHRUNG (KLASSISCHE FORM)

in Anlehnung an J. Salas 1993, J. Fox, 1996, D. Feldhendler & I. Mager, 2006

Die Zuschauer im Playback Theater erzählen von Momenten und Begebenheiten aus ihrem Alltagsleben, die Darsteller_innen setzten diese persönlichen Geschichten dann auf der Bühne um.

Playback Theater kann an jedem Ort und in jedem Raum aufgeführt werden. Ein Teil des Raumes wird zur Bühne, wo die Darsteller_innen dem Publikum gegenüber sitzen.

An der rechten Bühnenseite ist der Platz der Musik mit verschiedensten Instrumenten.

An der linken Bühnenseite stehen 2 Stühle: einer ist für die Leitung (conductor), der andere ist für die Erzähler_innen (teller) aus dem Publikum.

Nach ersten Kontaktaufnahmen über die momentanen Stimmungen der Zuschauer, die spontan mit kurzen Formen umgesetzt werden – z.B. als fließende Skulptur (fluid sculptures) – wird eine Erzähler_innen eingeladen, ein Erlebnis / eine Geschichte (story) mitzuteilen. Sie/ Er berichtet im Interview von einer Begebenheit;
danach übergibt die Leiter_innen an die Spieler_innenn und Musiker_innen.

Die Geschichte wird aus dem Stegreif und achtsam sowohl mimisch wie auch mit Bewegungen, Worten, Tüchern als Requisiten in künstlerische Szenen umgesetzt, von Musik begleitet und so dargestellt, dass die Essenz der Erzählung bildhaft erlebbar wird.

Nach dem Spiel wird die Geschichte in einer anerkennenden Form an die Erzähler_innen zurückgegeben und um einen Kommentar oder eine Ergänzung gebeten.

Angeregt von dieser ersten Erzählung folgen in der Regel weitere Erzähler_innen und ihre Geschichten verbinden sich miteinander wie mit einem „Roten Faden“.

Die Spielleitung vermittelt in dem gemeinsamen kreativen Prozess zwischen Zuschauer_innen, Darsteller_innen und Musiker_innen. In einem haltenden und sichernden Rahmen, der auf einer rituellen Struktur basiert, können persönliche Erfahrungen zur Sprache gebracht werden; besonders dann, wenn Menschen in ihrem Umfeld „keinen Ort“ haben, wo sie ihre Geschichte erzählen können und andere ihnen zuhören.

Persönliche und individuelle Erfahrungen werden zu einem kollektiven Erlebnis, das im Hier und Jetzt entsteht, wobei Sprache, Musik, Metaphern und dramaturgische Formen (pairs, chorus, tableaus, stories usw.) den gemeinschaftlichen Dialog unterstützen.
Die persönliche Offenheit der einzelnen Erzähler_innen und der Austausch im Publikum fördern Toleranz und Verständigungsbereitschaft.

Das Dramatische wird auf unterhaltsame und auch ernsthaft-sensible Weise mit dem Sozialen verbunden, die Geschichten werden zu einer gemeinsamen Erfahrung der Begegnung verknüpft. So können zwischen dem Gewöhnlichen und dem Ungewöhnlichen Brücken entstehen, die Menschen werden als mitgestaltende Subjekte ihrer Geschichten bestätigt und die zugrundeliegenden politischen und gesellschaftlichen Dimensionen werden erkennbar.

Playback Theater fördert damit den sozialen Dialog und die Identitätsbildung zwischen eigener und kollektiver Geschichte.